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Forschungsfeld Farbe  

Inhalt der Seite:

  1. Farbe als Pigment
  2. Farbe, Licht und Auge
  3. Farbe in Lehrkompendien des 19. Jahrhunderts

Aufsätze Franziska Uhlig:
Farbe -- Medium oder Material? Fragen des Sehens am Beispiel Camille Pissarros und Ernst Ludwig Kirchners.

Tagung Franziska Uhlig:
Widerspenstige Farbe, Text und Programm
Flyer zur Tagung von Simon Wachsmuth

Vorträge Franziska Uhlig:
13.02.2004, HU Berlin: Garstige Pasten

14.01.2005, University of Brighton: "Art Physiology"

Die Farbe als Pigment

 
Neben den Apothekern und (Al-)chemikern, die im Orient bis heute den Handel mit Farbstoffen und Pigmenten betreiben, war es bis um ca. 1800 die Figur des Künstlers, in der sich das Wissen über Farbe und Pigmente bündelte. Er vereinigte in sich so unterschiedliche Wissensbereiche wie (Al-)chemie, Theologie, Geologie, physikalische Optik, Sinnesphysiologie und vieles andere mehr. Zum anderen wuchs das Interesse an alten Pigment- und Bindemittelrezepturen mit der Einrichtung und Erhaltung von Bildergalerien, den späteren Museen. Künstler wie Anton Raphael Mengs waren zur Restaurierung des Bestandes herangezogen worden und benötigten plötzlich Kenntnisse über alte Rezepturen.
 

Handel in Damaskus, Dezember 2002

Forschung über Farbe verlangt daher einen interdisziplinären Zugriff. Durch die industrielle Fertigung der Künstlerfarbe und die Entwicklung von Bindemittel- und Farbkastensystemen setzte im 19. Jahrhundert eine Verlagerung des in der Figur des Künstlers gebündelten Wissens ein. Mit der Einführung von fertig angerührten Farben verliess es die Ateliers und siedelte sich mehr und mehr in den Vorformen moderner Produkt- und Marketingabteilungen an.

Die Rezepturen der Pigmente sind in alchemischen und metallurgischen Kompendien, weniger aber in Künstlerschriften überliefert worden. Unter den Künstlern begannen sich für dieses vergrabene Wissen zum einen die Raffael-Verehrer zu interessieren. Denn die Nachahmung Raffaels erforderte eine andere Palette und andere Techniken der Pigmentbereitung.

Bis heute verdankt sich unser Zugewinn an Wissen über Malrezepturen im Wesentlichen der Restaurierung, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer eigenständigen, mehr natur- denn kunstwissenschaftlich ausgerichteten Wissenschaft entwickelte. Neben dem Doerner-Zentrum in München ist auf die Farbmühle in Aichstetten (www.kremer-pigmente.de) zu verweisen, gegründet von dem Chemiker Dr. Georg Kremer. In Kremers Farbmühle werden Pigmente nach traditionellen, d.h., aus in alchemischen und metallurgischen Kompendien des 12. bis 18. Jahrhunderts aufgeschriebenen Rezepturen unter Benutzung des Wissens um die Beschaffenheiten der historischen geologischen Lagerstätten hergestellt.


Apothekerstraße, Damaskus, 2002

Farbe, Licht und Auge

 

Unser heutiges Verständnis von Farbe verdankt sich dem Wandel des Wissens in den Bereichen optische Physik und Physiologie der Sinne. Im ausgehenden 18. und im Laufe des 19. Jahrhunderts haben Forschungen zur Optik, zur Physiologie des Auges sowie zur Wahrnehmung die tradierten Vorstellungen des Materials Farbe verändert. Forscher wie Newton, Goethe, Purkinje, Young, Maxwell und Helmholtz versuchten in komplexen theoretischen Modellen zu erfassen, wie Farbe, Licht und das Auge bzw. die visuelle Wahrnehmung einander bedingen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts legten die Wissenschaftler ihren Forschungen zur Natur des farbigen Lichtes noch die Erfahrungen der Künstler mit dem Mischen von Pigmenten zugrunde. Doch stellte man bald fest, dass die Analogie zwischen Licht und Pigment täuscht.
 

Weil die Lichtheit ein wichtiges Kriterium des Bildes war, blieb die künstlerische Praxis von diesen Forschungen nicht unberührt. Das zeigt unter anderem die Neoimpressionismus Forschung.

 


Skizze eines Experiments zum Mischungsverhalten von Licht und Farbe. 1.H. 19. Jh. Aus: O.N.Rood: Moderne Farbenlehre, 1880.

 

Die Farbe in den Lehrkompendien des 19. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert stritt man über den erkenntnistheoretischen Status der Farbe. War die Farbe eher als eine synthetisch gewonnene Erkenntnis zu beschreiben oder gehörte sie zur Klasse der Empfindungen? Fragen dieser Art fanden Eingang in die Farblehren für Kunstgewerbetreibende und Künstler. Das Forschungsprojekt möchte die künstlerischen Lehrkompendien zur Farbe des 19. Jahrhunderts systematisch sichten und seinen Zusammenhang zur Sinnesphysiologie darstellen. Es widmet sich darüber hinaus der Frage, warum das optisch-sinnesphysiologische Wissen um die Farbe zunächst ausschließlich in den Lehrkompendien der

kunstgewerblichen Produktion anempfohlen wurde, bevor Odgen N.Rood es dann auch an die Künstler adressierte. Mit welchen Vorstellungen waren Einteilungen der Farbgebung in "dekorativ" und "künstlerisch" verbunden?

Erste Forschungsergebnisse sind in dem Vortrag "Art Physiology" – standardizing production and experience of art and industrial products, gehalten an der University of Brighton, Januar 2005, zu finden.

 

 

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